Demenz

 

Demenz verändert alles
Besonders aber die Beziehung zwischen Menschen, die sich nahestehen

Ein Portrait:

Joseph ist 81 Jahre alt. Vor einem Jahr hat er die Diagnose Demenz erhalten. Nach einem Schlaganfall fällt es ihm immer schwerer, die richtigen Worte zu finden. Er hat sich auch charakterlich verändert. War er früher gefasst und ernst, so benimmt er sich inzwischen oft distanzlos und unhöflich. Er lebt in einem kleinen Dorf am Neckar. Seine Frau ist bereits vor 11 Jahren verstorben. Die gemeinsamen Kinder wohnen in der weiteren Umgebung und verstehen sich untereinander nicht so gut. Eleonore, die älteste kommt jeden Samstag, um nach dem rechten zu schauen. In letzter Zeit schimpft ihr Vater oft und macht unanständige Bemerkungen. So kennt sie ihn gar nicht.
Sie ist zerrissen. Einerseits ist da die Verantwortung, die sie tragen muss, das Pflichtgefühl und andererseits verletzt sie dieses Verhalten. Sie versteht nicht, warum er ihre Aufopferung nicht wertschätzt. Ihre beiden Geschwister wollen den Vater in ein Seniorenheim stecken. Aber sie hat Bedenken. Denn dort weiß ja niemand, wie er seinen Tagesablauf strukturiert hat und außerdem findet sie es nicht gut, ihn aus der gewohnten Umgebung zu reißen. Alte Bäume verpflanzt man nicht.
Eleonore leidet unter der Situation. Sie fühlt sich nicht verstanden und zieht sich immer mehr zurück. Das Verhalten ihres Vaters ist ihr peinlich. Früher hat sie manchmal Spaziergänge mit ihm unternommen, aber seit er lauthals das Dekolleté der entgegenkommenden Wanderin kommentiert hat, traut sie sich nicht mehr mit ihm aus dem Haus. Was denken da die anderen?

Die Erkrankung macht Eleonore zu schaffen. Sie beginnt zu grübeln: „Was, wenn ich das auch habe? Ob man es merkt, wenn man sich so verändert? Und was passiert mit meiner Familie, wenn ich mal nicht mehr kann?“
Eleonore fühlt sich abgeschlagen. Sie erfährt wenig Unterstützung durch ihren Mann, der beruflich viel unterwegs ist. Neben ihrer Arbeit in der Stadtbibliothek hat sie zwei studierende Kinder und kümmert sich um Nachbars Katze.
Manchmal träumt sie sich davon. In die gute alte Zeit, als sie mit ihren Freundinnen noch Urlaub machen konnte einmal im Jahr.
Seit sie sich um ihren Vater kümmert, ist der Kontakt mit den „Mädels“ etwas eingeschlafen. Inge ist die Einzige, die noch regelmäßig anruft. Aber sie hat ja selber zu kämpfen mit ihrem Diabetes…

So oder so ähnlich spielen sich die Szenarien ab, wenn ein lieber Mensch sich demenziell verändert. Nicht immer ist eine Unterbringung im Seniorenheim möglich und auch nicht immer nötig. Die Überforderung, die daraus entsteht, ist verständlich.

 

Das hilft:

  • Verstehen, was Demenz ist
  • Abstand gewinnen
  • Eine bewusste Lebensführung
  • Erholungszeitfenster
  • Akzeptanz
  • Austausch mit anderen Betroffenen

Dass man das von jetzt auf gleich nicht kann, ist in Ordnung. Veränderungen sind manchmal schmerzhaft. Selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen, kann eine Hürde sein. Hat man doch lange Jahre selbstbestimmt und frei sein Leben gestaltet. Das zu erkennen und sich davon zu lösen, ist nicht einfach.

Geben Sie sich und der Beziehung zu ihren Lieben eine Chance.
Gerne begleite ich Sie für einen gesunden Umgang mit der Lage.

Ihre Sarah-Isabell Hellriegel-Rodríguez

 

Für Angehörige:

Eine verständnisvolle, wertschätzende Begleitung bildet die Basis. Gleichwertige Begegnung unter Berücksichtigung der familieninternen Bräuche sind mir dabei ebenso wichtig, wie der Blick auf die Gesamtsituation. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf die größeren und kleineren Stolpersteine und machen uns auf die Suche nach einem für Sie gangbaren Weg.

Eine stundenweise Buchung für die Betreuung ist möglich. Als qualifizierte Betreuungskraft nach §87b, Abs. § SGB XI wende ich mich Ihrem geliebten Menschen zu, während Sie etwas Gutes für sich tun können. Sprechen Sie mich an.

Beratung für eine demenzfreundliche Gestaltung der Räumlichkeiten (Gefahrenreduktion durch Vorbeugung).

kostenfreie Demenzpartnerkurse sind ein von der Deutschen Alzheimergesellschaft entwickeltes Angebot für Angehörige, um sich über die Erkrankung, mögliche Folgen und Grundlagen der Kommunikation zu informieren.
Darüber hinaus können Sie vertiefende Schulungen buchen.

 

Für Menschen mit Demenz:

Biographiearbeit:
Das bedeutet, wir erfassen frühzeitig wichtige Merkmale des Lebens der MmD um eine Aktivierung im späteren Verlauf der Erkrankung so lange es geht zu ermöglichen.

Aktivierung:
Bewegung, gemeinsames Musizieren und auch alle anderen Aktivitäten, die MmD gerne tun. Das kann Gärtnern, gemeinsames Googeln und vieles mehr sein. Es kommt darauf an, was die Person gerne tut. Gruppen- und Einzelangebote sind speziell auf die Bedürfnisse von MmD abgestimmt.

Trauerarbeit:
Der Umgang mit Verlusten spielt in der Demenz eine zentrale Rolle. Konkret geht es darum, anzunehmen, was ist aber auch die Trauer zu würdigen. Viele Menschen mit Demenz haben einen emotionalen Verlust zu bewältigen. Besonders, wenn ein Partner zu Grabe getragen wurde. Und die Umstellung auf das Leben „alleine“ macht erst einmal Angst. Manche Ehepartner haben sich bei der Erledigung des Papierkrams ganz auf denjenigen verlassen, der nun fehlt. Andere können nicht kochen oder den Haushalt schmeißen, weil es seither nicht zu den Lebensaufgaben gehörte. Und dieses Fehlen, das darf betrauert werden.

Dabei sein ist ALLES:
Über das Jahr hinweg gibt es verschiedene Veranstaltungen, die eine Teilhabe am Sozialleben ermöglichen. Menschen sind soziale Wesen. Wir sind nicht dafür gemacht, als Einzelgänger unser Dasein zu fristen. Darum ist die Begegnung mit anderen notwendig. Wir „jungen“ gehen noch sehr unbewusst durch unseren Alltag. Unsere Interaktion mit anderen, bzw. wie sie funktioniert, nehmen wir kaum wahr. Tatsächlich aber kommunizieren wir ständig und dauerhaft mit unseren Mitmenschen. Das geht aber nur, wenn andere Menschen da sind. Während dem Beisammensein sind wir kreativer, wacher und lebendiger. Alles gute Voraussetzungen, um die Lebensqualität zu steigern.